Login

Das Besitzrecht der Natur

11.01.2015 11:06
von Michael Kistler
(Kommentare: 0)
Holistic Life

Konsequente Sicht auf das Eigentum.

Was gibt dem Menschen eigentlich das Recht, etwas zu "besitzen"? Warum gehört mir das Land wo mein Haus drauf steht? Und gehören mir die Würmer, Insekten usw. die darauf leben dann auch? Wenn Ressourcen wie Öl, Kohle, Metalle, Edelsteine gefunden werden, gehören die dann dem Staat? Was legitimiert Besitz und Eigentum? Haben sie schon seit immer jemandem gehört? Wem gehörten sie dann bevor der Mensch kam?

Im Grund genommen besitzt der Mensch nichts. Und wenn wir ehrlich sind, gehört das Land und dessen Ressourcen niemandem. Alle Materialien und Ressourcen bezieht er von der lebenden oder toten Natur (lebendig: Pflanzen, Tiere, Menschen, tot: Mineralien) – von der Nahrung bis zur Wohnausstattung.

Vor der Sesshaftigkeit gab es kein Besitz. Alles war ein Pfand der Natur und gehörte allen. Die Urvölker waren und sind sich bewusst, dass ihnen das Land, aber auch Nahrung, Kleider und Werkzeuge nicht einfach gehören. Sie "leihen" sich die Ressourcen bei der Natur. Dafür "bezahlten" sie in Form einer Gabe oder eines Opfers, oder auch mit einem Gebet, einer Dankesrede bei Gebrauch oder Verzehr. Konkret baten sie bei der Erdgöttin für die – im Voraus! – und bedankten sich mit einem Anteil des erwirtschafteten Gutes, das an die Erde zurückgegeben wurde.

Solche Bräuche gehört bei allen Urvölkern zum Leben. In Mexico wird der erste Schluck oder Bissen auf den Boden gespuckt, um Mutter Erde ihren Anteil zu geben. In Europa gibt es das Tischgebet, wo Gott dafür gedankt wird. Wer einen Holuderstrauch schneiden oder fällen wird, fragt ihn erst um Erlaubnis.

Erst durch die Errichtung von Zäunen wurde Land abgegrenzt, respektive ausgegrenzt. Das Eigentum entstand also erst vor rund 10'000 Jahren. In der Neuzeit ging das immer mehr vergessen und unsere moderne Gesellschaft "profitiert" von der kostenlosen Ausbeutung der Natur.

Konsequent wäre jedoch, wenn bei jeder Entnahme von Ressourcen der Natur im voraus und während dessen einen Anteil zurückgegeben wird. Und zwar direkt der Natur, nicht einem Staat. Konkret hiesse das, für einen Quadratkilometer Kohleabbau und der Zer-"Störung" des Bodenlebens, müsste anderswo ein Quadratkilometer Land aufgeforstet, biodiversifiziert oder unter Schutz gestellt werden. Somit währe der "Frevel" einigermassen gesühnt. Mit dieser Massnahme verteuert sich natürlich der Abbau von Ressourcen an der Wurzel. So wird aber auch der Wert der Natur bewusster und versucht so wenig wie möglich zu zer-stören und zu verschwenden.

Für uns als Konsumenten bietet sich die freiwillige Möglichkeit der Kompensation. Für den gefällten Baum im Garten irgendwo einen neuen zu Pflanzen. Der CO2-Verbrauch einer Reise zu kompensieren in Form von Zahungen oder Unterstützungen an Umweltprojekte. Oder einfach Zwischendurch innehalten und diesen "Geschenken" unseres Planets einen würdigende Gedanken zurückgeben.

Das somit entstehende Bewusstsein, das wir eigendlich alles uns Umgebene "geliehen" haben, lässt uns mit offeren Augen durchs Leben gehen und achtsamer werden. Es steigt auch der Wert des Gutes, das wirklich uns gehört: der Freiheit des Geistes.

Und wenn wir den "Eigentum"-Gedanken noch etwas weiter spinnen, stellt sich die metaphysische Frage, ob uns unser Köper gehört oder dieser auch nur geliehen ist? Das hiesse konsequenterweise, zu sich selber Sorge tragen – leuchtet ein, oder?

Zurück

Einen Kommentar schreiben
© all rights reserved by kistler holistic
Made with Contao CMS